Vermögen in Deutschland ungleicher verteilt als gedacht

Das Ausmaß der Vermögenskonzentration in Deutschland ist einer neuen Studie zufolge höher als bisher angenommen. Während an früheren Bevölkerungsbefragungen Millionärinnen und Millionäre kaum teilgenommen haben, schafften es Forscher des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschafsforschung (DIW Berlin) diese Datenlücke mit Hilfe einer Zusatzstichprobe zu schließen.

Um Personen mit hohen Vermögen zu identifizieren, wurde aus einer Datenbank mit 1,7 Mio. Menschen, welche in nennenswertem Umfang an Unternehmen beteiligt sind, eine repräsentative Stichprobe mit 2.000 Personen erstellt. Des Weiteren wurden öffentlich zugängliche Reichenlisten des Manager Magazins in die Studie miteinbezogen.

 

Das Ergebnis der Studie: die oberen 10% besitzen circa zwei Drittel des Nettovermögens.

Frühere Studien gingen von etwa 59% aus. Außerdem hält das reichste Prozent der Bevölkerung etwa 35% des Vermögens in Deutschland. Eine weitere Erkenntnis der Zusatzstichprobe zeigt, dass etwa 1,5% der Erwachsenen in Deutschland ein Nettovermögen von mindestens 1 Mio. € besitzen. Diese Gruppe vertreten hauptsächlich Männer, die älter, besser gebildet, selbstständig und zufriedener mit ihrem Leben sind.

Während der Median, also das Vermögen der Person genau in der Mitte der Vermögensverteilung nach Hinzunahme der neuen Datenquellen fast unverändert bei 22.800€ bleibt, beginnt die Gruppe des reichsten Prozents der Vermögensverteilung bei einem Nettovermögen von mehr als 1,3 Mio. € (zuvor 1 Mio. €).

Ein Blick auf Millionäre und Millionärinnen zeigt, dass der Anteil von Frauen mit rund 30% relativ gering ist, 14% einen Migrationshintergrund haben, 6% aus den neuen Bundesländern kommen und 40% über 65 Jahre alt sind. Insgesamt sind laut der Studie Personen mit einem hohen Vermögen in fast allen Teilbereichen deutlich zufriedener als der Durchschnitt der Bevölkerung. Lediglich die Zufriedenheit mit Blick auf die Freizeit bildet hier die Ausnahme.

Fazit:

Die Erkenntnisse der Studie sprächen laut SOEP-Forscher Johannes König gegen ein Comeback der Vermögenssteuer, da viele Hochvermögende ihr Vermögen in Betrieben oder in nicht selbst bewohnten Immobilien halten. Außerdem werden mehr als die Hälfte der individuellen Vermögen produktiv genutzt und kommen so der Volkswirtschaft insgesamt zugute.


Foto: pixabay User zhuwei06191973

Quelle: DIW Berlin, Sebastian Kollmann "Vermögenskonzentration in Deutschland höher als bisher bekannt“ Juli 2020, abgerufen am 05.08.2020  https://www.diw.de/de/diw_01.c.793891.de/vermoegenskonzentration_in_deutschland_hoeher_als_bisher_bekannt.html


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